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Diagnose Therapie Informationen aus der Industrie

Urologie

Prostatakarzinom: Diagnose

Prostatakarzinom

Definition
  • Die Prostata ist ein Teil der inneren Geschlechtsorgane des Mannes. Die Drüse von der Größe einer Kastanie umschließt den Anfangsteil der Harnröhre. Ihr Sekret wird dem Samen beigemischt und stimuliert die Beweglichkeit der Samenfäden.
  • Das Prostatakarzinom ist in der Mehrzahl der Fälle (95 %) ein Adenokarzinom (vom Drüsenepithelgewebe
       ausgehend).
  • Häufigster maligner Tumor des Mannes, der v. a. zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auftritt.
Ursachen
  • nicht eindeutig geklärt
  • genetische Faktoren, Einfluss der Androgene (= männliche Sexualhormone) und Ernährung sind mögliche Ursachen
Epidemiologie

 

Wie entsteht Krebs?

  • Entwicklung bösartiger Zellen
  • Unkontrolliertes Wachstum der Tumorzellen
  • Aussaat ("Metastasierung") von Tumorzellen

(Details siehe Kapitel Chemotherapie)

Stadien Prostatakarzinom
T
Primärtumor
T x
Primärtumor nicht beurteilbar
T 0
kein Anzeichen eines Primärtumors
T 1
klinisch unauffälliger Tumor, weder tastbar noch durch bildgebende Verfahren nachweisbar
T 2
Tumor auf Prostata begrenzt
T 3
Durchbruch durch die Kapsel (= äußere Umhüllung) der Prostata
T 4
Beteiligung von benachbarten Strukturen
N
regionäre Lymphknoten
N x
Lymphknoten nicht beurteilbar
N 0
keine regionären Lymphknotenmetastasen
N 1
Befall eines Lymphknotens bis 2 cm
N 2
Befall eines Lymphknotens > 2-5 cm oder multiple Lymphknotenmetastasen bis 5 cm
N 3
Lymphknotenmetastasen > 5cm
M
Fernmetastasen
M x
Fernmetastasen nicht beurteilbar
M 0
keine Fernmetastasen
M 1
Fernmetastasen
Metastasierung

erfolgt lymphogen in iliakale, retroperitoneale und paraaortale Lymphknoten;
hämatogen v. a. in

  • Knochen
  • Leber
  • Lunge
  • Gehirn
Genetik

Eine familiäre Häufung kann beobachtet werden.

Charakteristika

Karzinom des höheren Alters und kontinuierliche Zunahme der Häufigkeit in den höheren Altersgruppen (daher oft Zufallsbefund bei Obduktionen von sehr alten Männern). Man muss also die natürliche Lebenserwartung des Patienten in der Therapieplanung berücksichtigen. (Der Sinn einer invasiven Behandlung bei symptomarmem Tumor und hohem Alter ist sehr fragwürdig.)
Der Tumor ist primär symptomlos und bei Auftreten der ersten Beschwerden oft nicht mehr radikal operabel, d. h., die Radikaloperation setzt eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung (1x jährlich) voraus und ist daher entsprechend selten möglich.

Merke:

Eine Früherkennung des Prostatakarzinoms ist durch eine regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchung möglich. Nach dem 45. Lebensjahr sollte bei jedem Mann einmal im Jahr die Prostata untersucht werden.

Eine Heilung bei erfolgter Metastasierung (Lymphknoten) ist nicht möglich.
Das Prostatakarzinom ist hormonabhängig (Testosteron), sodass der therapeutische Androgenentzug (Potenzverlust!) die (lebensverlängernde) Basistherapie des fortgeschrittenen Karzinoms darstellt.
Lebenslange Medikation!

Symptome
  • erst bei fortgeschrittenem Tumor!
  • Dysurie
  • evtl. Hämaturie
  • Kreuz- und Rückenschmerzen ähnlich einem Ischiassyndrom (Metastasenschmerz ausgehend von Knochenmetastasen!)
  • Nierenkolik (bei Ureterkompression oder -invasion)
Diagnostik und Verlaufskontrolle</p>

Rektaler Befund

Das Karzinom ist hart (wie "Knochen") und die Prostata ab T3/T4 seitlich schlecht abgrenzbar ("hart" heißt Tumorverdacht, eine Fehldiagnose ist möglich!).

 

Sonographie (transrektaler Ultraschall TRUS)

  • TRUS bietet eine gute Möglichkeit der Diagnostik und Staging des Prostata-Ca
  • Das Karzinom ist meist echoärmer, gelegentlich auch echoreicher (mit Verkalkungen) oder echogleich gegenüber dem Drüsengewebe, also auch hier Fehldiagnose möglich

 

Prostatabiopsie

  • Stanzbiopsie, transrektal oder transperineal unter Ultraschallkontrolle, dann Histologie
  • Feinnadelbiopsie, in gleicher Technik, dann Zytologie

 

Tumormarker (PSA) 

  • Prostataspezifisches Antigen im Serum (= PSA) ist wesentlicher Parameter bei Verlaufskontrolle (Titeranstieg bei Tumorprogression).
  • PSA-Bestimmung im Serum hat höhere Sensitivität als digital-rektale Untersuchung oder TRUS.
  • PSA-Wert > 10 ng/ml bedeutet in über 60 % der Fälle das Vorliegen eines Prostata-Ca. Als Grenzwert gilt ng/ml, ein Wert darunter schließt allerdings ein Prostata-Ca nicht aus.
  • Nach radikaler Prostatektomie muss der PSA-Wert nicht nachweisbar sein, ein Wiederanstieg des PSA-Wertes nach radikaler Prostatektomie geht einem klinischen Tumorrezidiv um ca. 1/2 bis 5 Jahre voraus.
  • Alkalische Phosphatase ist nicht obligat, meist Hinweis auf Knochenmetastasierung

 

Knochenszintigraphie

Knochenmetastasennachweis

 

Problem: Lymphknotendiagnostik

 

Ein sicherer Metastasenausschluss ist mit keinem bildgebenden Verfahren (Ultraschall, CT, MRT, Lymphographie) möglich.
Die offene Biopsie (= "Staging-Lymphadenektomie" der Beckenlymphknoten) ist ebenfalls kein hundertprozentiger Metastasenausschluss, in höherem Alter ein belastender Eingriff und bei bereits erfolgter Metastasierung auch nicht kurativ.
(Die laparaskopische Staging-Lymphadenektomie ist weniger belastend.)

Vorsorge

Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen
(für Österreich gültige allgemeine Empfehlung des Arbeitskreises u. wiss. Komitees der ESO Wien)

 

Es ist den an der Erarbeitung der nun vorliegenden Empfehlungen beteiligten wissenschaftlichen Gesellschaften bzw. ihren Arbeitsgruppen besonders zu danken, dass sie eine neuerliche Anstrengung unternommen und an der Erstellung der nunmehrigen Empfehlung mitgearbeitet haben. Im Sinne dieser Vorgangsweise wurde bewusst zwischen Screening und der Früherkennung in folgender Weise unterschieden:

 

Als Früherkennung wurde - in direkter Anlehnung an die Empfehlungen der American Cancer Society - die Entdeckung einer Abnormalität in einer asymptomatischen oder symptomatischen Einzelperson aufgefasst, während Screening die systemische Suche nach einer Erkrankung in einer definierten Population bedeutet hätte.

 

Bei der Erstellung der Empfehlungen zur Früherkennung maligner Erkrankungen wurden folgende Prämissen besonders beachtet:

 

  • Es musste als gesichert gelten, dass die Untersuchung medizinisch effektiv in Hinblick auf eine Früherkennung der Krebserkrankung ist, um die Morbidität und/oder Mortalität positiv zu beeinflussen,
  • die durch die Untersuchungen erzielten Vorteile sollten gegenüber den Risken überwiegen und die Untersuchungen selbst praktikabel und durchführbar sein.

 

Somit liegt nun eine für Österreich gültige allgemeine Empfehlung für die Mindesterfordernisse einer Früherkennung maligner Erkrankungen bei Einzelpersonen vor, von der wir wiederum hoffen, dass sie auf ähnliche Akzeptanz wie die vorhergehenden Publikationen dieser Arbeitsgemeinschaft stoßen und unser aller Arbeit im Sinne einer Standardisierung der Vorgangsweise für die sich uns anvertrauenden Menschen erleichtern wird.

(Univ. Prof. Dr. Christoph Zielinski, Univ. Prof. Dr. Michael Krainer, Univ.Ass.Dr. Thomas Brodowicz,
Koordinatoren des Arbeitskreises und des wiss. Komitees der ESO-Wien)

(Übersicht der Krebsarten, Genetische Testung, Tumormarker, wiss. Gesellschaften:
siehe krebszentrum.at/Vorsorge)

Vorsorge Prostatakarzinom

Normalpopulation
Maßnahme
Intervall
Zeitpunkt
 
rektale Palpation
PSA-Bestimmung
jährlich
jährlich
ab dem 50. Lebensjahr
bei familiärer Prostata-
karzinomanamnese
rektale Palpation
PSA-Bestimmung
TRUS
jährlich
jährlich
jährlich
ab dem 40. Lebensjahr
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Letztes Update:2 März, 2009 - 13:15